• Document: vhb-kurs Strategisches Denken und Komplexes Problemlösen PDF 1: Problemtypen
  • Size: 49.13 KB
  • Uploaded: 2018-12-07 11:43:13
  • Status: Successfully converted


Some snippets from your converted document:

vhb-Kurs Strategisches Denken und Komplexes Problemlösen Otto-Friedrich-Universität Bamberg Kapitel 1 PDF 1: Problemtypen Die Frage nach den Typen von Problemen, die sich unterscheiden lassen, ist die Frage nach den Typen von Barrieren, die die Transformation des Anfangszustandes in den Endzustand verhindern. Was alles kann die unmittelbare Überführung des Anfangszustandes in den Endzustand verhindern? Interpolationsbarriere: - Anfangszustand bekannt - Endzustand bekannt - Mögliche Operatoren bekannt, richtige Folge oder Kombination der Operatoren aber unbekannt Wenn es eine bekannte Anzahl von Operationen gibt, mit deren Hilfe sich die Transformation des Anfangszustandes in den Endzustand bewerkstelligen lässt (wenn also z. B. von einer bestimmten Konstellation auf dem Schachbrett ausgehend eine ganz bestimmte Mattstellung angestrebt wird), dann kann die Barriere nur darin bestehen, dass es unmöglich ist, die verschiedenen Folgen von Operationen, die vom Anfangs- zum Endzustand führen könnten, alle bezüglich ihrer Geeignetheit zur Überführung zu prüfen. Dies ist der Fall, wenn die Anzahl von Operationsketten sehr groß oder unendlich ist. Genau dies findet man bei Schachproblemen. Die Zahl der möglichen Züge in jeder Situation ist endlich, desgleichen die Zahl der möglichen Situationen. So ist es also „nur“ ein Problem des Aufwandes, für jede Situation den jeweils besten Zug ausfindig zu machen. Praktisch aber ist das bekanntlich unmöglich. Man hat errechnet, dass selbst unter Verwendung elektronischer Rechenanlagen eine so gut wie unendliche Entscheidungszeit erforderlich wäre, um den besten Zug zu errechnen (s. Klix 1971, S. 735). Man muss also irgendeine andere Methode finden, einen guten Zug auszuwählen. 1 Ein alltägliches Problem gleichen Typs ist das „Kursbuchproblem“. Man will morgens nach 7.00 Uhr aus Bottrop-Boy abreisen, um irgendwann einmal im Laufe des Tages in Neumarkt/Oberpfalz einzutreffen. Startpunkt und Zielpunkt sind bekannt; das Kursbuch enthält die notwendigen „Transformationen“; das Problem liegt in der Interpolation, in der richtigen zeitlich-räumlichen Aneinanderreihung der Transformationen. In Problemen, in denen es allein darum geht, die richtige Kombination oder Folge aus einer Reihe bekannter Operationen zu bilden, ist eine Interpolationsbarriere vorhanden. Die Interpolation zwischen Anfangs- und Zielzustand ist behindert. Synthesebarriere: - Anfangszustand bekannt - Endzustand bekannt - Wichtige Einzel-Operatoren unbekannt Bei vielen Problemen ist die Menge von Operationen, mit deren Hilfe die Transformation des Anfangs- in den Endzustand unternommen werden kann, nicht abgeschlossen, sondern für den Problemlöser offen. Das heißt, der Problemlöser weiß von Beginn an oder vermutet nach vergeblichen Lösungsbemühungen, dass die Mittel, die er kennt und die er für bedeutsam hält, nicht oder nicht allein hinreichend sind, um das Problem zu lösen. Man könnte solche Probleme „Alchimistenprobleme“ nennen. Wie macht man aus Blei Gold? Der Anfangszustand ist bekannt, auch der Endzustand, unbekannt ist aber nicht nur die spezifische Kombination von Operationen, während die Einzeloperationen bekannt sind, wie dies bei den Interpolationsproblemen der Fall ist; vielmehr hat man Grund zur Annahme, dass auch wichtige Einzeloperationen unbekannt sind oder nicht in Betracht gezogen werden. In diesem Fall kommt es darauf an, die richtigen Operationen zu finden, nicht nur - wie bei der Interpolationsbarriere - die bekannten zu kombinieren. Hauptaufgabe ist hier die Zusammenstellung oder Synthese eines brauchbaren Inventars von Operationen. Hier liegt die Barriere, und wir wollen diese Barriereform Synthesebarriere nennen. Viele Denksportaufgaben enthalten Synthesebarrieren. Das Problem aus der Streichholzkonfiguration der Abbildung (a) bei dem, durch Lageveränderung zweier Hölzer, eine Konfiguration mit drei gleichgroßen Quadraten hergestellt werden sollen, wird von vielen Personen nicht gelöst. 2 Abbildung: Beispiel für ein synthetisches Problem Die Lösung (b) fällt deshalb schwer, weil die meisten Versuchspersonen die Möglichkeit „ineinander geschobener“ Quadrate von vornherein ausklammern. Das Hauptproblem liegt hier in der Überwindung dieser Voreinstellung. Gelernte Einstellungen und Denkgewohnheiten sind überhaupt wohl die Hauptursachen dafür, dass viele Probleme für Individuen Synthesebarrieren enthalten. Probleme mit Synthesebarrieren sind Probleme, bei denen das Operatorinventar offen ist. Man weiß, dass die Lösungsmethoden, die zunächst in Betracht gezogen wurden, nicht ausreichen und dass es erforderlich ist, das Operatorinventar zu ergänzen. Die eigentlich wichtigen Operatoren kennt man noch nicht. Sie bilden gewissermaßen Leerstellen im Operatorinventar. Deshalb ka

Recently converted files (publicly available):