• Document: Palliative Care und Palliativpflege
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169 10 Palliative Care und Palliativpflege Thomas Montag 10.1 Entwicklung von Palliative Care – 170 10.2 Stellenwert der Palliativpflege – 171 10.2.1 Pflegekonzept – 172 10.2.2 Haltung in der Palliative Care – 173 10.3 Schmerzbehandlung – 174 10.3.1 Total Pain – 174 10.3.2 Schmerz und Wahrnehmung – 175 10.3.3 Schmerz in der Sterbephase – 176 10.3.4 Schmerzmanagement in der Pflege – 177 10.4 Wund- und Dekubitusversorgung – 178 10.4.1 Wunden bei exulzerierenden Tumoren – 178 10.4.2 Elemente der palliativen Wundversorgung – 180 10.4.3 Dekubitusprophylaxe und Dekubitusbehandlung – 182 10.5 Das Lebensende: Pflege in der Sterbephase – 185 10.5.1 Rasselatmung – 187 10.5.2 Mundtrockenheit – 188 Literatur – 189 M. Thomm (Hrsg.), Schmerzmanagement in der Pflege, DOI 10.1007/978-3-662-45414-5_10, © Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016 170 Kapitel 10 • Palliative Care und Palliativpflege Zum Einstieg 10.1 Entwicklung von Palliative Care Palliative Care ist ein multiprofessioneller und ganzheitlicher Ansatz zur Behandlung, Begleitung Palliative Therapieansätze sind in der Medizin und Versorgung von Patienten mit unheilbaren, und Pflege keine Erfindungen der Neuzeit, son- fortgeschrittenen und fortschreitenden sowie le- dern waren über viele Jahrhunderte Hauptinhalt benszeitlimitierenden Erkrankungen. In diesem der Krankenversorgung. Bis weit in das 19.  Jahr- Kapitel  soll neben einer allgemeinen Beschreibung hundert hinein konnten nur wenige Krankheiten des Palliativpflegekonzepts der Ansatz »Palliati- geheilt werden. In der Hauptsache bezog sich die ve Care« anhand dreier zentraler Themen aus der ärztliche Kunst auf die Linderung der durch Krank- Palliativpflege deutlich gemacht werden. Das sind heiten hervorgerufenen Symptome und die Pflege Schmerzbehandlung, Wund- und Dekubitusversor- auf die Versorgung der Kranken. Mit der rasanten gung und Pflege in der Sterbephase. Entwicklung der Medizin in den letzten 100 Jahren, traten kurative, also die Grunderkrankung heilen- Der Begriff »Palliative Care« lehnt sich an das la- de Therapien in den Mittelpunkt und die lindern- teinische »Pallium« (Mantel, Umhang) und das de Medizin verlor an Bedeutung. Institutionen wie englische »care« (Sorge, Zuwendung, Betreuung, Krankenhäuser und Arztpraxen konzentrierten Fürsorge, sich kümmern). Er beschreibt einen sich vorwiegend auf medizinisch-diagnostische umfassenden Versorgungsansatz, der sowohl eine Maßnahmen mit dem Ziel, Krankheiten zu hei- lindernde Medizin und Pflege und gleichermaßen len [21]. Die sich ändernden Bedürfnisse und der eine mitmenschliche, fürsorgende und begleitende besondere Versorgungsbedarf sterbender und un- Versorgung beinhaltet. heilbar kranker Menschen wurde so nicht mehr Schwerpunkt ist, die aus der Perspektive des wahrgenommen. Sterbende wurden häufig zum Patienten wahrgenommene Lebensqualität zu ver- »Störfaktor« und gerieten fast vollständig aus dem 10 bessern oder zu stabilisieren. Voraussetzung dafür Blick der Versorgung. Tod und Sterben wurden in ist ein ganzheitliches Menschenbild, das alle in die- der Gesellschaft der Moderne allgemein tabuisiert sem Bereich tätigen Professionen (Medizin, Pflege, und insbesondere in der Medizin als Versagen und Sozialarbeit, Seelsorge, Psychologie, Physiothera- Niederlage empfunden. pie…) teilen. Es sieht den Menschen in seiner Exis- tenz in vier unterscheidbaren, aber gleichwertigen »» Der Tod ist für den Arzt nicht mehr Teil des und untrennbar miteinander verwobenen Dimen- Lebens, sondern eine medizinische Niederlage. sionen: Der Sterbende wird im Krankenhaus isoliert, 55 physisch, »ihm kann nicht mehr geholfen werden«. Die 55 psychisch, Kommunikation zwischen Patient und Perso- 55 spirituell und nal ist gestört. [21] 55 sozial. Auf diesem Hintergrund wuchs seit den 1960iger >> Auf allenvier Ebenen wird der Patient ange- Jahren in Gesellschaft, Medizin und Pflege europa- sichts des (nahen) Todes existenziell berührt weit die Erkenntnis, d

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