• Document: 7 Gewalt in den Medien
  • Size: 668.7 KB
  • Uploaded: 2019-02-13 02:12:58
  • Status: Successfully converted


Some snippets from your converted document:

7 7 Gewalt in den Medien Hannah Früh, Hans-Bernd Brosius 7.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen ­ und medienpolitische Anmerkungen zur Mediengewalt  – 178 7.2 Mediengewalt aus kommunikationswissenschaftlicher ­ und medien­psychologischer Perspektive  – 180 7.3 Methodische Herangehensweisen und Untersuchungsdesigns  – 184 7.4 Metaanalysen zur Wirkung von Mediengewalt  – 187 7.5 Medien und politische Gewalt: ­Terrorismus  – 190 Literatur  – 192 178 Kapitel 7 · Gewalt in den Medien > Homo homini lupus (Plautus, ca. 250 v. Chr. bis ca. 184 v. Chr., aufgegriffen vom engli- schen Philosophen Thomas Hobbes) – der Mensch ist dem Menschen Wolf. Wir sind nicht friedlich, Aggression ist eine urmenschliche Eigenschaft. Dass ein gewisses Maß an Ag- gressivität uns allen innewohnt, lässt sich evolutionär begründen: Nur, wer seine eigenen Interessen durchzusetzen vermag, also bereit ist, einem anderen absichtlich zu schaden, kann sich letztlich behaupten. In abgemilderter Form kommt uns Aggression auch heute noch in unserer zivilisierten Gesellschaft zugute, beispielsweise bei Wettbewerben, bei denen es darum geht – in gewissen Schranken –, einen anderen zu besiegen, das heißt, diesen an der Erreichung seiner Ziele zu hindern. Auch wenn Aggression zunächst etwas Menschliches ist und uns aus evolutionärer Perspektive heraus das Überleben sichert, stehen wir vor dem Dilemma, dass Aggression ein gesellschaftliches Zusammenleben meist erschwert. Dass dies nicht nur ein Problem früherer Gesellschaften war, sondern uns auch heute noch beschäftigt, verdeutlichen uns Kriege, Konflikte, Kriminalität, aber auch kleinere Strei- tigkeiten im Alltag nahezu jeden Tag. Dementsprechend ist auch weiterhin die gesellschaft- 7 liche Befürchtung groß, dass Menschen ihre Aggression nicht ausreichend kontrollieren können. Ein Faktor, der das Lernen aggressiver Verhaltensweisen begünstigen kann, sind die Medien, in denen beispielhaft violentes Verhalten dem Betrachter vorgeführt wird. Die Diskussion um die möglicherweise schädlichen die Forschungsansätze und -ergebnisse auf diesem Ge- Auswirkungen von Mediengewalt hat eine sehr lange biet sind äußerst heterogen (vgl. Merten, 1999). Dabei Geschichte (vgl. Kunczik, 1998): Schon Platon und Aris- geht es aber vielmehr um die Feststellung, dass es sich bei toteles diskutierten heftig darüber, ob – wie Platon be- »Mediengewalt« um ein vielschichtiges Problem han- fürchtete – 7 Gewalt in Gedichten und Theaterstücken delt, das einer differenzierteren Sichtweise bedarf. Mitt- Jugendliche gefährde oder ob sie kathartische Effekte lerweile stehen die Randbedingungen auf Seiten der hätte, wie Aristoteles glaubte (vgl. Gleich, 2004; Merten, Medien, der Inhalte und der Rezipienten im Mittelpunkt, 1999). Bis heute dauern ähnliche Debatten vor allem im welche die schädliche Wirkung von Gewalt verstärken gesellschaftlichen Raum an bzw. werden durch jedes oder abschwächen können. neue Ereignis wieder aktualisiert. Jedes Massaker (z. B. der Amoklauf eines Schülers in Erfurt), jede außerge- wöhnliche Gewalttat Jugendlicher initiiert in kürzester 7.1 Gesetzliche Rahmenbedingungen Zeit die Diskussion um die Schädlichkeit von Medienge- und medienpolitische Anmerkun­ walt aufs Neue. Die Kommunikationswissenschaft bzw. gen zur Mediengewalt die Medienpsychologie können sich einer solchen öf- fentlichen Diskussion dann kaum entziehen, werden Wenngleich die Bedingungen für den schädlichen Ein- doch reihenweise Interviewwünsche und Expertenmei- fluss von Mediengewalt auf die Rezipienten bislang noch nungen von Journalisten an uns herangetragen. nicht völlig geklärt sind, setzt die gesellschaftlich-mediale Während dabei in den Medien überwiegend solche Diskussion den Gesetzgeber unter Zugzwang. Zentrale Thesen vertreten werden, die entweder eine große Ge- Gesetze in diesem Zusammenhang finden sich im Straf- fährdung oder aber eine völlige Ungefährlichkeit medi- gesetzbuch (vor allem das Gesetz über die Verbreitung aler Gewalt unterstellen, werden in der Wissenschaft jugendgefährdender Schriften), den einzelnen Landes- durchaus differenzierte Ansichten entwickelt, die sich rundfunkgesetzen sowie dem Rundfunkstaatsvertrag zwisc

Recently converted files (publicly available):